Wer etwas bewegen will, muss mitarbeiten

Frankfurt am Main, 07. Dezember 2016. Auf dem Fleischer-Verbandstag in Saarbrücken wurde Michael Durst, Landesinnungsmeister in Hamburg, erneut in das Präsidium des Deutschen Fleischer-Verbandes gewählt. Im Interview berichtet er über seine Arbeit im Ressort Werbung und Öffentlichkeitsarbeit.

  • Michael Durst

    Herr Durst, dies ist Ihre dritte Amtszeit als DFV-Präside, seit 2006 gehören Sie dem Gremium an. Was hat Sie bewogen, sich erneut für dieses Ehrenamt zur Verfügung zu stellen?
    Das ist im Grunde die Frage, die sich jeder Handwerksfleischer stellen sollte: Wenn ich etwas ändern möchte, soll ich dann am Rande stehen und meckern? Oder lieber mitmachen? Meine Meinung ist: Wer etwas bewegen will muss auch mitarbeiten. Dies ist aber auch eine Bedingung, die ich an das Ehrenamt stelle, das ich bekleide. Ich muss die Möglichkeit haben, mich einzubringen und etwas bewegen können. Ich war in der Vergangenheit schon in Ehrenämtern, in denen ich nach einem halben Jahr gemerkt habe, dass diese Voraussetzungen nicht gegeben waren. Da habe ich mich ganz schnell wieder ausgeklinkt. Aber als Hamburger Obermeister, Landesinnungsmeister und jetzt im Präsidium des DFV hatte ich immer die Möglichkeit, etwas für unser Handwerk tun zu können. Zudem will ich nicht verschweigen, dass Ehrenämter auch Vorteile bringen. Als Ehrenamtsträger bin ich in der Regel besser und schneller über aktuelle Entwicklungen informiert. Das ist zwangsläufig so, wie könnte ich sonst vernünftige Entscheidungen treffen. Dieser sanfte Druck, ständig informiert sein zu müssen, führt auch dazu, dass ich nicht nur die Rundschreiben der Verbände lese sondern auch aufmerksam die Berichterstattung der Fachpresse verfolge. Ein weiterer Vorteil ist, dass man zum Beispiel als Obermeister ganz von alleine Kontakt zu seinen Kollegen in der Innung, aber auch im Landesverband oder darüber hinaus bekommt. Dieser Austausch über die Situation und die aktuellen Herausforderungen der Branche ist für mich sehr wertvoll.

    Wie bringen Sie dieses umfangreiche ehrenamtliche Engagement mit ihrem Unternehmen unter einen Hut?
    Ich habe Mitarbeiter und eine Familie, die mich sehr unterstützen. Sie sehen, genau wie ich, einen Sinn und Nutzen in der ehrenamtlichen Tätigkeit. Zudem haben wir hier in Hamburg eine sehr gut organisierte Innungsgeschäftsstelle, von der ich aktiv betreut werde. Das Team dort filtert Informationen und leitet sie weiter, macht Termine oder schreibt mir Entwürfe für Reden. Sie verstehen sich als Dienstleister, übrigens nicht nur für mich sondern auch für die Kollegen, die Mitglied der Innung sind.

    Welche Baustellen wollen Sie denn in Ihrer kommenden Amtszeit in Angriff nehmen?
    Ganz weit oben auf der Liste steht nach wie vor die Gewinnung von Azubis. Das ist und bleibt unser dringendstes Problem. Hier sehe ich vor allem meine Aufgabe darin, noch mehr bei meinen Kollegen dafür zu werben, unsere Nachwuchskampagne zu nutzen. Wir haben sehr gute Inhalte – die übrigens sogar von Fachleuten ausgezeichnet wurden – deren Umsetzung muss allerdings durch die einzelnen Kollegen erfolgen. Sie müssen vor Ort die PS auf die Straße bringen. Dafür werde ich mehr werben, aber auch Information und Unterstützung anbieten. Als nächster Punkt steht dann die Imagewerbung auf dem Programm. Wir haben allgemeine Werbung für das Fleischerhandwerk in den letzten Jahren zu Gunsten der Nachwuchswerbung zurückgefahren, jetzt müssen wir das Thema wieder stärker spielen. Unser Ziel bleibt hier die Abgrenzung zu unseren Mitbewerbern aus dem Handel, der nach wie vor in Auftritt und Kommunikation das Fleischer-Fachgeschäft nachahmt. Wir müssen daher zeigen, dass wir das unbestrittene Original sind. Eine gute Imagewerbung zahlt zudem in die Nachwuchswerbung ein, denn sie hilft unseren Familienbetrieben sich als attraktive Arbeitgeber und Ausbilder zu präsentieren.

    Wie wollen Sie die genannten Punkte in der Praxis umsetzen?
    Indem wir die Kampagnen innerhalb der Organisation stärker kommunizieren, die Inhalte noch sichtbarer machen. Auf unserem Nachwuchswerbeportal befindet sich zum Beispiel eine Deutschlandkarte mit Ausbildungsplätzen. Betriebe haben hier die Möglichkeit ein eigenes Profil anzulegen, etwa so wie eine kleine Internetseite mit eigenen Inhalten und Bildern. Dieses Angebot wird noch von zu wenigen Betrieben in Anspruch genommen, auch nutzen längst nicht alle fleischerhandwerklichen Organisationen die Inhalte der Kampagne, um selbst aktiv Nachwuchswerbung zu betreiben. Hier sind noch große Potenziale, die ausgeschöpft werden können, ohne viel Aufwand betreiben oder Geld ausgeben zu müssen. Investieren möchten wir vor allem in eine Neugestaltung unserer Imagewerbung, die dem Verbraucher die Stärken und Vorzüge des Fleischer-Fachgeschäfts nahebringen soll. Dies soll auf zeitgemäße Art hauptsächlich über eine Webseite geschehen. Mit Inhalten, die auch Mitgliedsbetriebe oder Organisationen des Fleischerhandwerks für sich nutzen können. Und auch ganz ohne klassische Werbemittel wird es nicht gehen. Nicht unerwähnt bleiben soll das Leitbild des Fleischerhandwerks, das wir ebenfalls weiterentwickeln werden.

    Wie werden Sie dabei mit dem Ehren- und Hauptamt der Landesverbände und des DFV zusammenarbeiten?
    Wie immer, eng. Zur Leitbildentwicklung werden wir zum Beispiel Arbeitsgruppen bilden, die sich mit einzelnen Themenschwerpunkten befassen. Wir wollen zu den Aspekten Wohl der Tiere, Klima/Umwelt, Gesundheit und Digitalisierung Standpunkte erarbeiten, die das Leitbild konkretisieren und die Position des Fleischerhandwerks verdeutlichen. Beim Thema Nachwuchswerbung freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit dem Ressort Berufsbildung und meiner neuen Präsidiumskollegin Nora Seitz. Wir wollen uns bei diesem äußerst wichtigen Thema enger verzahnen und abstimmen.

    Welche dieser Ziele wollen Sie im kommenden Jahr konkret erreicht haben?
    Viele der Punkte, die ich genannt habe, sind eher andauernde Prozesse, die man immer vorantreiben muss. Aber einige Meilensteine lassen sich trotzdem nennen. Hinsichtlich des Leitbildes möchte ich innerhalb des kommenden Jahres konkrete Standpunkte zu den Themen Wohl der Tiere und Gesundheit vorlegen können. Gerade zum Wohl der Tiere – ich sage bewusst nicht „Tierwohl“, dieser Begriff ist doch stark zur hohlen Phrase geworden – ist im Moment eine Menge in Bewegung und wir müssen hier unseren Beitrag leisten. Hinsichtlich der Nachwuchswerbung möchte ich binnen Jahresfrist deutliche Verbesserungen bei den Nutzungszahlen auf allen Ebenen der Organisation erreichen und was die Imagewerbung betrifft werden wir in der ersten Jahreshälfte 2017 ein neues Konzept vorstellen, dessen Grundlagen bis zum Jahresende umgesetzt sein werden. Diese Ziele setzen alle eine bessere Durchdringung der Organisation mit Informationen voraus. Vom DFV über die Landesverbände und Innungen bis zu Betrieben geht leider noch viel verloren, die Vernetzung, aber auch die Art, wie wir Informationen aufbereiten, muss aus meiner Sicht verbessert werden. Ich möchte gerne den Dialog mit den Obermeistern und Kollegen stärken. Denkbar wäre es zum Beispiel, wenn wir im Vorfeld der Obermeister-Tagung Feedback aus den Innungen einholten, zum Beispiel: „Thema Wohl der Tiere – Wo seht ihr Handlungsbedarf?“ Dann wären uns gute und ertragreiche Diskussionen innerhalb der Organisation sicher. Und nur diese bringen uns weiter.
     
    Das Interview ist in der afz allgemeine fleischer-zeitung erschienen.

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