Berufsnachwuchs gleichermaßen fordern und fördern

Kommentar von DFV Vizepräsidentin Nora Seitz

Frankfurt am Main, 15. August 2017. Die Nachwuchssituation im Lebensmittelhandwerk bleibt angespannt. Ob es gelingt, genügend Auszubildende zu finden, hängt sicherlich von vielen Faktoren ab, angefangen beim Standort, über die Ausbildungskonkurrenz in der Region bis hin zur Zahl der Schulabgänger.

  • Nora Seitz

    Der Deutsche Fleischer-Verband betreibt großen Aufwand, um für ein gutes Image zu sorgen und junge Leute für unsere Berufe zu interessieren. Das allein wird aber nicht ausreichen. Die Schlüsselrolle hat nach wie vor der einzelne Betrieb. Deshalb stellt sich eben auch die Frage, was man dort zusätzlich tun kann, um Interesse zu wecken.

    Inzwischen kann man beobachten, dass andere Branchen einen enormen Aufwand treiben, um Auszubildende zu gewinnen. Mit allen möglichen Zusatzleistungen will man dort Schulabgänger ködern. Die Palette ist groß: Bahnkosten auf dem Land, Mietzuschuss in der Stadt, Abo fürs Fitnessstudio, Auslandsaufenthalt, Nichtraucherprämie, Handy- oder Auto-Nutzung bei guten Leistungen. Es gibt (fast) nichts, was es nicht gibt.

    Man muss das alles natürlich nicht mitmachen. Der Wunsch, eine gute Ausbildung in einem interessanten Beruf zu suchen, sollte im Vordergrund stehen. Wenn der Eintrittspreis ins Fitnessstudio die Motivation bringen soll, ist der Erfolg der Ausbildung wohl eher fraglich.

    Trotzdem darf man den Trend nicht übersehen, der hinter solchen Entwicklungen liegt. Es geht nicht nur darum, tolle Prämien in Aussicht zu stellen, es geht um Wertschätzung für junge Leute. Selbstverständlich gilt der alte Grundsatz noch: Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Aber es gilt mindestens genauso: Nur wer gerne arbeitet, arbeitet auch gut.

    Ein respektvoller Umgang miteinander kann die Freude an der Arbeit und an der Ausbildung spürbar anheben. Das ist im Alltag nicht immer einfach, das ist klar. Vor allem dann, wenn junge Leute noch nicht einmal die wichtigsten Tugenden mitbringen, wird es wirklich schwer. Aber das Ziel ist lohnend. Um es zu erreichen braucht es nicht unbedingt ein kostenloses Handy.

    Dieser Kommentar ist in der afz allgemeine fleischer-zeitung erschienen.

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