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Branchen-News - 23.09.2016

Deutscher Fleischer-Verband: Immer im Gespräch

fleischwirtschaft.de - FRANKFURT.

Interview mit Heinz-Werner Süss. Im Gespräch mit fleischwirtschaft.de zieht der scheidende Präsident des Deutschen Fleischer-Verbands Bilanz über seine Amtszeit. Beim Verbandstag in Saarbrücken stehen auch Neuwahlen auf der Tagesordnung. Die fünfjährige Amtszeit des jetzigen Präsidiums endet. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Heinz-Werner Süss: Meine Präsidiumskollegen und ich haben gute Arbeit geleistet. Wir haben in allen Bereichen Ergebnisse vorzuweisen, die sich sehen lassen können.#

#Nennen Sie uns Beispiele?

Süss: Es ist unmöglich, alles aufzuzählen. Viel Lob haben wir für unsere völlige Neuausrichtung der Werbung erhalten. Das ganze Paket mit Nachwuchs- und Mitgliederwerbung, aber auch mit Hilfestellungen für Aktionen, fand nicht nur bei den Mitgliedern große Zustimmung. Wir wurden erst vor kurzem ein weiteres Mal mit einem angesehenen Preis ausgezeichnet.

Aber auch in den anderen Bereichen haben wir Erfolge herzuzeigen. Denken Sie nur an die Hilfestellungen, die wir zu den Kennzeichnungsvorschriften bieten, oder an den Leitfaden für die Schlachtung. Diese Angebote für die Mitglieder sind wesentlicher Teil unserer Arbeit geworden. Da greift vieles ineinander. Auch unser jüngster Erfolg liegt im Bereich der Schlachtung. Hier ist die Berufsausbildung betroffen. Wir haben erreicht, dass die vorgeschriebene Sachkunde bereits mit der Lehre vermittelt wird. Das sind aber nur wenige Beispiele unter vielen. Die Geschäftsberichte der letzten Jahre listen eine Menge Erfolge und Dienstleistungen auf. Die Lektüre lohnt sich.#

#Was ist der Schlüssel zum Erfolg?

Süss: Als ich vor fünf Jahren mein Präsidentenamt antrat, waren mir vor allem zwei Dinge wichtig: Zum einen wollte ich für den Stolz stehen, den wir im Fleischerhandwerk haben dürfen und haben sollen. Das ist keine leere Floskel und ebenso wenig ein verträumter Blick auf die Vergangenheit. Wir sind nicht überheblich, aber wir haben auch keinen Grund, uns zu verstecken. Das gilt gegenüber unseren Kunden, aber eben auch bei der Verbandsarbeit. Wir dürfen Politikern selbstbewusst gegenübertreten, denn wir stellen etwas dar. Da darf man auch Wünsche und Forderungen vortragen.#

#Und der zweite Punkt?

Süss: Gesprächsbereitschaft. Es ist doch unbestritten, dass ein einzelner allein kaum etwas erreichen kann. Das ist ja auch der Kern unseres Verbands und die Idee unserer Gründerväter: Tun wir uns zusammen und schaffen etwas. Das ist immer noch richtig, funktioniert aber nur, wenn man offen und ehrlich miteinander umgeht. Deshalb war mir das Angebot an alle so wichtig, jederzeit zum persönlichen Gespräch zur Verfügung zu stehen.#

#Das klingt sehr gut, unterliegt aber der Gefahr, graue Theorie zu bleiben.

Süss: So theoretisch ist der Ansatz nicht, sondern ganz praktisch. Es ist wichtig, die Gesprächsbereitschaft mit Leben zu erfüllen. So habe ich am Anfang meiner Amtszeit Fachbeiräte eingesetzt. Hier kommen zu vier verschiedenen Themengebieten die Vertreter der Landesinnungsverbände zusammen, um mit uns zu beraten und Vorschläge zu erarbeiten. An einen Tisch setzen und sich austauschen, in der Sache, über den Arbeitsstil und wenn es sein muss auch über Persönliches. Übrigens haben viele mein Angebot genutzt. Die ausgestreckte Hand wird häufiger angenommen, als man gemeinhin denkt.#

#Dieser interne Zusammenhalt ist enorm wichtig. Entscheidend ist sicher, was nach außen auf dem politischen Feld erreicht wird?

Süss: Das ist richtig, aber der Außenauftritt macht nur dann Sinn, wenn man sich intern auf gemeinsame Ziele verständigt und Marschrichtungen vereinbart hat. Aber selbstverständlich muss die Gesprächsbereitschaft genauso nach außen gelten. Gute Kontakte sind wichtig. Ich habe immer versucht, maßgeblichen Politikern mit derselben offenen Ehrlichkeit gegenüberzutreten, wie ich es bei meinen Kollegen tue. Das hat sich bewährt. Um ernsthafte Debatten zu führen, müssen Sie Zugang zum Politiker finden. Der ist schließlich auch nur ein Mensch. Ich habe oft gesehen, wie andere entweder mit großer Unterwürfigkeit handeln oder genau das Gegenteil machen, nämlich ohne jede Zurückhaltung Forderungen präsentieren. Mein Weg ist da eindeutig der bessere.#

#Woran kann man das messen?

Süss: An den Ergebnissen. Schon zu Ilse Aigner hatte ich einen guten Kontakt, als sie Bundesministerin war. Zu ihrem Nachfolger Christian Schmidt ist der Kontakt noch intensiver. Es ist tatsächlich so: Wenn Sie Politikern, die Tag für Tag von jedem bearbeitet werden, nicht ständig mit irgendwelchen unrealistischen Forderungen im Ohr liegen, erreichen Sie unter dem Strich mehr. Vergessen Sie nicht: Wir sind stolze Fleischer, wir dürfen mit Ministern auf Augenhöhe sprechen.#

#Aber die Kärrnerarbeit wird doch nicht im Ministerbüro erledigt?

Süss: Natürlich nicht, aber politische Vorgaben werden dort formuliert. Aber Sie haben schon recht, es gehört schon noch mehr dazu. Man darf sich die Aufgabe des Präsidenten nicht so vorstellen, dass man gelegentlich zum Minister auf eine Tasse Kaffee geht, und das war?€?s.

Ich gebe es gern zu, dass ich vor der Amtsübernahme ein wenig unterschätzt habe, was da alles auf mich zukommt. Die vielen Aufgaben machen sich nicht mal eben so nebenher, zum Beispiel im Verwaltungsrat der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, in Vorstand und Kuratorium des Bunds für Lebensmittelrecht und -kunde, als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Lebensmittelhandwerke und so weiter. Aber genau da trifft man auf die Leute, die wir brauchen.#

#Das klingt nach großem Zeitaufwand.

Süss: Der Eindruck ist richtig, auch weil zu allen Sitzungen noch viel Zeit für An- und Abreise dazukommt. Es ist lohnende Zeit, denn es kommt etwas dabei heraus. Wir alle arbeiten für eine Sache, die es in jedem Fall wert ist. Ich mache es sehr gern.#

#Es wird also eine zweite Amtszeit geben?

Süss: Nein, ich werde mich in Saarbrücken nicht wieder zur Wahl stellen. Es hat mich sehr gereizt, diese Arbeit fortzusetzen. Aber nach reiflicher Überlegung habe ich mich dazu entschlossen, nicht noch einmal anzutreten.#

#Was sind die Gründe dafür?

Süss: Ich bin schon vor längerem von etlichen Kollegen aufgefordert worden, wieder zur Verfügung zu stehen. Bei anderen ist aber auch der Wunsch deutlich geworden, jüngere Kollegen in die Verantwortung zu rufen.

Das ist eine schwierige Entscheidung, die nicht nur für die nächste Wahlperiode, sondern auch darüber hinaus große Auswirkungen hat. Leider hat ausgerechnet bei der Diskussion dieser wichtigen Frage der offene und ehrliche Austausch zwischen Kollegen nicht immer so geklappt, wie es wünschenswert gewesen wäre.

Ungeachtet dessen brauchen wir dringend Einigkeit und Zusammenhalt. Wir brauchen einen Präsidenten und eine Führungsmannschaft, die sich hundertprozentig auf den nötigen Rückhalt verlassen können. Auch wenn ich mir durchaus hätte vorstellen können, die Arbeit fortzuführen, muss man in solchen Fällen Persönliches hintenan stellen, um der Sache zu dienen. Dazu bin ich selbstverständlich bereit.

Was in jedem Fall bleibt, sind der Stolz und die Dankbarkeit, dass ich diese Arbeit tun durfte. Im übrigen ist es so, dass ich andere ehrenamtliche Aufgaben wahrnehme, zum Beispiel auch im regionalen Handwerk. Ich werde also schon noch mitgestalten, wenn auch mit anderen Schwerpunkten.#

#Was geben Sie Ihren Nachfolgern mit auf den Weg?

Süss: Haltet den Verband zusammen! Wir stehen in den nächsten Jahren vor so großen Herausforderungen, dass wir unbedingt einen starken Verband brauchen, um unsere Interessen bestmöglich zu wahren. Denken Sie an die großen Nachwuchssorgen, an den wachsenden Konkurrenzdruck und immer neue gesetzliche Auflagen, die wir möglichst abwehren müssen. Drängend werden auch die gesellschaftlichen Fragen, die uns gestellt werden. Tierwohl, Umwelt und Ernährung sind dabei nur drei Stichwörter unter vielen. Wir können es schaffen, den Stolz unseres Handwerks zu bewahren. Dazu müssen wir offen diskutieren, um am Ende einig zu handeln.

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