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Deutsch-amerikanische Fleischerfreundschaft

DFV-Delegation zu Besuch bei US-Verbandstagung

Frankfurt am Main, 1. August 2019. Die American Association of Meat Processors lässt sich am besten als der nordamerikanische Fleischerverband, als Gegenstück des Deutschen Fleischer-Verbandes in den Vereinigten Staaten, beschreiben. Zwischen DFV und AAMP besteht schon seit einigen Jahren eine informelle Partnerschaft. Zuletzt war eine große Delegation amerikanischer Verbandsmitglieder anlässlich der IFFA im Mai nach Deutschland gereist, unter anderem, um die Auszeichnungen des gemeinsamen Qualitätswettbewerbes entgegenzunehmen, der im Januar im US-Bundesstaat Wisconsin stattgefunden hatte. Die Amerikaner hatten aber auch Fachleute mit nach Frankfurt gebracht, die den Standbesuchern des DFV während der gesamten IFFA die neuesten US-Steakschnitte und die handwerkliche Herstellung von haltbaren Rindfleisch-Snacks, sogenanntem Beef-Jerky und Snack-Sticks, nahebrachten.

Nun war eine Abordnung des DFV auf der „Annual Convention“, dem Verbandstag der AAMP, zu Gast, um dort deutsches Fleischer-Fachwissen zu vermitteln. Auf der mehrtägigen Veranstaltung, die in Mobile im Bundesstaat Alabama stattfand, zeigten die Deutschen nicht nur praktische Arbeiten sondern ermöglichten auch Einblicke in die Organisation, den Tagesablauf oder die Ausbildung in deutschen Handwerksbetrieben. DFV-Vizepräsident Eckhart Neun fesselte die rund hundert Besucher seines Vortrages mit der bewegten Entstehungsgeschichte seines Familienbetriebes, insbesondere aber mit dem Thema mobiler Verkauf, auf den er sich schon früh nach der Übernahme des Unternehmens von seinem Vater spezialisiert hatte. Neun zeichnete den Strukturwandel im ländlichen Raum und im Fleischerhandwerk am Beispiel seines eigenen Betriebes ausführlich nach und gab den Anwesenden viele wertvolle Hinweise für die Umsetzung einer Unternehmensstrategie, die einerseits zwar mit starker Urbanisierung und Landflucht zu kämpfen hat andererseits aber auch vom aufkommenden Interesse wohlhabender städtischer Kundschaft an hochwertigen und handwerklich hergestellten Lebensmitteln profitiert.

  • Fachwissen aus erster Hand vermittelten die beiden Teammitglieder der Nationalmannschaft Hannah Gehring und Franz Gawalski, die, unterstützt von Eckhart Neun und DFV-Technologen Axel J. Nolden, deutsche Fleischerzeugnisse vor Publikum herstellten. Besonderen Wert legten die deutschen Experten dabei auf die Vermittlung der traditionellen Produktionstechnologie, insbesondere der fachgerechten Brätherstellung, die vielen amerikanischen Fleischern bisher weitgehend unbekannt war. Einfach nachvollziehbare Produkte und Rezepturen sollten die US- Kollegen zudem zum Nachmachen anregen. Alle im Rahmen dieses Programmpunktes hergestellten Produkte, klassische Thüringer Rostbratwurst, Münchener Weißwurst, Fleischkäse und zwei Arten gefüllter Braten, wurden anschließend zubereitet und vom Publikum verkostet. Als besonderen Höhepunkt zauberte Hannah Gehring zum Abschluss verschiedene Kanapees und originelle Wraps. Auch der Vortrag der jungen Fleischermeisterin aus der Nationalmannschaft über die wichtigsten Regeln der Thekengestaltung brachte den US-Fleischern wertvolle Informationen, die sie in ihren Betrieben praktisch umsetzen können.

    Das große Interesse der anwesenden Fleischer äußerte sich in den zahlreichen Gesprächen und Rückfragen während der und nach den einzelnen Programmpunkten sowie während des gesamten AAMP-Verbandstages. DFV-Pressesprecher Gero Jentzsch, der die Veranstaltungen moderierte, gab den zahlreichen Gästen einen umfassenden Überblick über die deutsche Wurstkultur im Allgemeinen, ihre typischen und ausgefallenen Produkte, die duale Ausbildung und den Weg zum Fleischermeister aber auch über die Schwierigkeiten, mit denen die Handwerksbetriebe hierzulande zu kämpfen haben. Dabei zeigte sich, dass Bürokratie und Fachkräftemangel auf beiden Seiten des großen Teiches existieren und vor allem den kleinen und mittleren Betrieben zu schaffen machen. Ein Beispiel, wie man in Deutschland den gesetzlichen Anforderungen genügen und zudem einen Mehrwert für die Verbandsmitglieder schaffen kann, dokumentierte DFV-Mitarbeiterin Carolin Gericke, die ausführlich über die hessische Qualitätsprüfung und die damit verbundene Selbstkontrolle der Betriebe berichtete. Gericke, die beim DFV für die Organisation und Auswertung aller Arten von Produktwettbewerben zuständig ist, brachte den Zuschauern die einfache und praxisorientierte Methode der „Hessenprüfung“ nahe und regte ihr Publikum ausdrücklich zum Nachahmen an.

    Außerdem nutzten die Vertreter von DFV und AAMP die dem Verbandstag angeschlossene Fachausstellung zur Übergabe von Pokalen, Medaillen und Urkunden, die amerikanische Mitgliedsbetriebe im Rahmen der IFFA-Qualitätsprüfungen erworben hatten, im Mai in Frankfurt aber nicht überreicht wurden. Vizepräsident Eckhart Neun ehrte zusammen mit dem scheidenden AAMP-Präsidenten Chad Lottman eine Reihe von Betrieben für ihre herausragenden Produkte.

    Die amerikanisch-deutsche Fleischerfreundschaft soll nach den Vorstellungen von DFV-Vize Neun, dem neugewählten AAMP-Präsidenten Rick Reams sowie dessen Hauptgeschäftsführer Chris Young weiter gepflegt werden. Fest geplant sind bereits eine weitere deutsch-amerikanische Qualitätsprüfung sowie ein Deutschlandbesuch im IFFA-Jahr 2021, vorher sollen kleinere Austausche stattfinden. Auch der Juniorenverband des deutschen Fleischerhandwerks hat zu den US-Kollegen bereits Kontakt aufgenommen. Eine mindestens einwöchige Junioren-Fachexkursion wird 2020 ins „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ führen.

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